Aufgeschlagenes Skizzenbuch mit Bleistiftskizzen einer kleinen Figur, Aquarellkasten mit Pinsel, Buntstifte und ein Wasserglas auf einer Terrazzokante vor heller Wand in der Sonne

Illustrationen fürs Kinderbuch: Wer zeichnet und was kostet es?

Die Geschichte ist geschrieben, die Figuren haben Namen, und im Kopf siehst du schon jede Seite vor dir. Jetzt fehlen nur noch die Bilder. Wer zeichnet sie? Was kostet das? Und musst du dich überhaupt darum kümmern?

Bei Illustrationen fürs Kinderbuch hängt fast alles an einer einzigen Frage: Gehst du zu einem Verlag, oder veröffentlichst du selbst? Hier bekommst du beide Wege erklärt, dazu Richtwerte zu den Kosten, die wichtigsten Punkte für den Vertrag und eine sachliche Einordnung zu KI-Bildern. Alle Preise sind Stand August 2026.

Illustrationen fürs Kinderbuch: Wann brauchst du sie?

Wenn du dein Manuskript bei Verlagen einreichen willst, brauchst du in aller Regel keine eigenen Illustrationen. Der Verlag sucht die Illustratorin selbst aus, passend zu seinem Programm, und bezahlt sie auch. Du schickst nur deinen Text, höchstens mit kurzen Bildhinweisen in Klammern, wo das Bild etwas erzählt, das nicht im Text steht. Bilder, die du vorher auf eigene Kosten in Auftrag gibst, können dir sogar schaden, wenn dem Verlag der Text gefällt, der Stil aber nicht. Warum das einer der häufigsten Fehler ist, habe ich in meinem Artikel über die 7 häufigsten Fehler beim ersten Kinderbuch erklärt. Die Ausnahme: Du illustrierst selbst, und zwar auf professionellem Niveau.

Im Selbstverlag bist du selbst der Verlag. Dann brauchst du Illustrationen, und sie werden fast immer dein größter Kostenposten. Aber gib sie erst in Auftrag, wenn dein Text fertig, lektoriert und an Kindern getestet ist. Jede Änderung an der Geschichte, die später kommt, kann eine neue Zeichnung bedeuten.

Die passende Illustratorin finden

Fang in der Kinderbuchabteilung an. Nimm dir die Bücher, deren Bilder dich ansprechen, und schau ins Impressum. Dort steht, wer sie gezeichnet hat. Viele Illustratoren zeigen ihre Arbeiten auf einer eigenen Website oder auf Instagram. Einen guten Überblick gibt auch die Portfolio-Seite der Illustratoren Organisation, eines Berufsverbands für Illustratoren in Deutschland. Und an Hochschulen mit einem Studiengang Illustration gibt es Absolventinnen, die ihre ersten Buchprojekte suchen.

Wähl nach Stil, nicht nach Preis. Die Bilder müssen zu deiner Geschichte und zum Alter deiner Leser passen. Ein zartes Aquarell erzählt anders als eine kräftige Comiczeichnung. Achte außerdem auf Erfahrung mit Büchern. Eine Figur einmal schön zu zeichnen, ist das eine. Sie auf vierzehn Doppelseiten aus allen Blickwinkeln so zu zeichnen, dass ein Kind sie sofort wiedererkennt, ist etwas ganz anderes. Wenn du unsicher bist, vereinbare als ersten Schritt einen bezahlten Figurenentwurf. Dann siehst du, ob ihr zusammenpasst, bevor du das ganze Buch beauftragst.

Was kosten Illustrationen fürs Kinderbuch?

Im Selbstverlag rechnen viele Illustratoren mit einem festen Honorar ab, pro Bild, pro Seite oder als Pauschale fürs ganze Projekt. Zwei Beispiele von den Websites zweier Kinderbuchillustratoren geben dir eine Größenordnung. Sabine Marie Körfgen nennt ab 150 Euro für eine farbige Einzelseite, ab 235 Euro für eine Doppelseite und ab 395 Euro für ein Cover, jeweils netto. Ein Bilderbuch liegt bei ihr meist im niedrigen vierstelligen Bereich. Peter Holle bietet auf seiner Seite Ganzseiten ab 150 Euro, Doppelseiten ab 250 Euro und ein Komplettpaket mit 20 Illustrationen, Figurendesign, Cover und Layout ab 2.500 Euro an.

Rechne das einmal für ein klassisches Bilderbuch mit 14 Doppelseiten durch: Schon mit dem Einstiegspreis von 235 Euro pro Doppelseite landest du bei rund 3.300 Euro netto für die Innenseiten, dazu kommt das Cover. Je aufwendiger der Stil, desto mehr. Wenn dein Budget knapp ist, verhandle lieber über die Zahl der Bilder als über den Preis pro Bild. Ein Vorlesebuch mit sechs schönen Vignetten kann wärmer wirken als ein Bilderbuch mit lieblos gefüllten Seiten.

Und die Beteiligung am Verkauf? Manche Illustratoren arbeiten für ein niedrigeres Honorar plus einen Anteil an jedem verkauften Buch. Im Selbstverlag ist das für beide Seiten oft wenig attraktiv, weil bei einem farbigen Kinderbuch aus dem Print-on-Demand pro Exemplar nur wenig übrig bleibt. Manche lehnen das ab. Körfgen etwa schreibt, dass sie grundsätzlich nicht auf Basis von Tantiemen arbeitet. Wie die übrigen Kosten für ein Bilderbuch aussehen, habe ich in meinem Artikel Kinderbuch veröffentlichen 2026 zusammengerechnet.

Vertrag und Nutzungsrechte

Das Urheberrecht an den Bildern bleibt bei der Illustratorin. In Deutschland lässt es sich gar nicht verkaufen. Was du erwirbst, sind Nutzungsrechte, und genau die müssen im Vertrag stehen. Wie unterschiedlich das geregelt sein kann, zeigen schon die beiden Beispiele oben: Bei Körfgen sind einfache Nutzungsrechte für den Selbstverlag enthalten, dazu Werbung und Social Media. Holle nennt exklusive Rechte ohne zeitliche und räumliche Begrenzung, inklusive Merchandising. Vergleich Angebote deshalb nie nur nach dem Preis. Halte schriftlich fest:

  • wofür du die Bilder nutzen darfst: Taschenbuch, Hardcover, E-Book, Neuauflagen, Werbung, Social Media, Lesungsplakate, Lesezeichen oder Postkarten
  • ob die Rechte einfach oder ausschließlich sind, und für welche Zeit und welche Länder
  • was gilt, wenn später eine Übersetzung oder ein Verlag dazukommt
  • wie viele Korrekturschleifen im Preis enthalten sind und was jede weitere kostet
  • Termine, Zahlungsplan und in welchem Format die fertigen Dateien geliefert werden, passend zu den Vorgaben deiner Druckplattform
  • wie die Illustratorin im Buch genannt wird, auf dem Cover oder im Impressum

Ein Punkt, an den kaum jemand denkt: Wer Aufträge an selbstständige Künstler vergibt, muss unter Umständen die Künstlersozialabgabe zahlen. Sie liegt 2026 bei 4,9 Prozent des Honorars. Ob das für dich gilt, klärst du am besten mit der Künstlersozialkasse oder deiner Steuerberaterin.

Briefing und Zeitplan

Je besser dein Briefing, desto weniger Korrekturen. Gib deinen fertigen Text so weiter, wie er später im Buch steht, aufgeteilt auf die Seiten oder Doppelseiten. Beschreib jede Figur kurz: Alter, Wesen, was sie immer trägt, was sie nie tun würde. Nenn Format und Seitenzahl, die du mit deiner Druckplattform geplant hast, und wo Platz für den Text bleiben muss. Ein paar Bücher, deren Stimmung dir gefällt, helfen mehr als lange Erklärungen.

Meist läuft es in Stufen: erst die Figuren, dann Skizzen für alle Seiten, dann die fertigen Bilder. Gib jede Stufe frei, bevor die nächste beginnt. Eine Änderung an der Skizze kostet ein paar Striche, an der fertigen Illustration manchmal das ganze Bild. Plan großzügig. Körfgen rechnet mit etwa 5 bis 20 Wochen, bei größeren Projekten länger, und da sind Korrekturen und Druck noch nicht dabei. Wer im Herbst veröffentlichen will, sollte im Frühjahr anfragen.

KI-Illustrationen: Was rechtlich gilt

Ich habe selbst damit gearbeitet: Das Titelbild von „Holla, die Waldfee, träumt vom Meer“ habe ich 2023 mit einer KI erstellt, und es ist bis heute auf dem Cover. Wenn du ein ganzes Kinderbuch so bebildern willst, solltest du trotzdem ein paar Dinge wissen.

Ein Bild, das rein von einer KI erzeugt wurde, ist nach deutschem Urheberrecht nach überwiegender Auffassung nicht geschützt, weil es keine persönliche geistige Schöpfung eines Menschen ist. Du hast daran also keine exklusiven Rechte, und andere dürfen es womöglich weiterverwenden. Seit dem 2. August 2026 gelten außerdem die Transparenzpflichten der europäischen KI-Verordnung. Sie richten sich vor allem an die Anbieter der Werkzeuge und an alle, die täuschend echte Deepfakes veröffentlichen. Eine gezeichnete Waldfee ist das in aller Regel nicht. Die Illustratoren Organisation empfiehlt trotzdem einen einfachen Hinweis wie „Illustration unter Einsatz KI-basierter Werkzeuge erstellt“. Und bei Amazon KDP musst du KI-generierte Bilder beim Hochladen angeben. Mehr dazu findest du in meinem Artikel Buch schreiben mit KI.

Praktisch kommt dazu: Dieselbe Figur auf vielen Seiten gleich aussehen zu lassen, ist mit KI noch immer mühsam. Nenn in deinen Anweisungen keine lebenden Illustratoren und keine bekannten Figuren. Und rechne damit, dass manche Eltern und Buchhändler KI-Bilder in Kinderbüchern kritisch sehen. Sag offen, wie deine Bilder entstanden sind.

Gute Illustrationen sind kein Schmuck, sie erzählen die Hälfte deiner Geschichte. Nimm dir für die Suche so viel Zeit wie für den Text, dann passt am Ende beides zusammen.

Wenn du tiefer einsteigen willst: In meiner Kinderbuch-Schatzkiste gibt es einen eigenen Illustrations-Guide mit Hinweisen, wo du die passende Illustration findest und was sie kostet, dazu eine Briefing-Vorlage und eine Checkliste für die Nutzungsrechte.

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