Aufgeschlagenes Skizzenbuch mit gezeichneten Storyboard-Kästchen, roter Bleistift, Radiergummi und Karteikarten auf einer Terrazzokante vor heller Wand in der Sonne

Die 7 häufigsten Fehler beim ersten Kinderbuch

Du hast eine Idee für ein Kinderbuch. Eine Figur, die dir seit Wochen nicht aus dem Kopf geht. Oder eine Geschichte, die du abends schon zehnmal am Bett erzählt hast und die jedes Mal ein bisschen besser wird. Jetzt willst du sie aufschreiben. Als richtiges Buch.

Gut so. Nur: Beim ersten Kinderbuch laufen fast alle in dieselben Fallen. Als ich mit „Holla, die Waldfee, träumt vom Meer“ angefangen habe, dachte ich: Irgendein Kinderbuch eben, das wird ja nicht so schwer sein. Wenig Text, einfache Wörter, fertig. Genau da liegt der Irrtum. Hier sind die sieben häufigsten Fehler beim ersten Kinderbuch, woran du sie erkennst und was du stattdessen machst.

Bevor du schreibst: Für wen ist dein Kinderbuch?

Fehler 1: Alter und Format sind unklar

Woran du es merkst: Auf die Frage, für wen dein Buch ist, sagst du „für Kinder“. Und wenn jemand nachhakt: „So von drei bis zehn.“ Das klingt großzügig, ist aber ein Problem. Ein dreijähriges Kind sitzt auf dem Schoß, schaut Bilder an und hört zu. Ein zehnjähriges Kind liest allein, unter der Bettdecke, mit Taschenlampe. Das sind zwei völlig verschiedene Bücher.

Was du stattdessen machst: Leg dich fest. Auf eine Altersspanne von zwei, drei Jahren und auf eine Form: Bilderbuch zum Vorlesen, Erstlesebuch zum Selberlesen oder Kinderroman mit Kapiteln. Schreib beides auf einen Zettel und kleb ihn über deinen Schreibtisch. Diese Entscheidung bestimmt alles andere: wie lang deine Sätze sind, wie viele Figuren mitspielen, wie viele Seiten das Buch hat. Holla ist am Ende eine Geschichte ab 8 Jahren mit 80 Seiten geworden. Genau diese zwei Angaben helfen Eltern später in einer Sekunde bei der Frage, ob das Buch passt.

Fehler 2: Zu viel Text fürs Bilderbuch

Woran du es merkst: Dein Text beschreibt, was man auf dem Bild sehen wird. „Der kleine Igel hatte braune Stacheln, trug eine rote Mütze und stand unter einem großen Apfelbaum.“ Das zeigt später die Illustration. Im Text ist es doppelt.

Wie wenig Text ein Bilderbuch verträgt, überrascht die meisten. Die Schule des Schreibens nennt für ein Bilderbuch für Zwei- bis Vierjährige als Richtwert höchstens rund 600 Wörter, bei 32 Seiten etwa vier kurze Sätze pro Doppelseite. Bis hierhin hast du in diesem Artikel schon gut 350 Wörter gelesen. Ein ganzes Bilderbuch hat also nicht einmal doppelt so viel Text.

Was du stattdessen machst: Streich alles, was ein Bild zeigen kann. Im Text bleibt, was man hören muss: was die Figur will, was sie sagt, was schiefgeht. Eine gute Übung: Nimm ein Blatt, zeichne 16 Kästchen für die Doppelseiten und verteil deine Geschichte darauf. Du merkst sofort, wo es zu voll wird.

Kinderbuch schreiben: Ton, Sprache und Blickwinkel

Fehler 3: Der erhobene Zeigefinger

Woran du es merkst: Die Geschichte ist eigentlich eine Lektion. Zähneputzen ist wichtig. Teilen ist schön. Im Dunkeln gibt es keine Monster. Und am Ende steht die weise Eule oder die Mama da und sagt, was man daraus lernen soll.

Kinder spüren sehr schnell, wenn sie erzogen werden sollen. Dann schalten sie ab. Was du stattdessen machst: Lass deine Figur das Problem selbst lösen, auf ihre Art, mit Umwegen und Fehlern. Die Botschaft steckt in dem, was passiert, und in keinem Satz am Schluss. Ein kleiner Test: Streich den letzten Absatz. Funktioniert die Geschichte trotzdem? Dann war er zu viel.

Bei „Theo, der T-Rex, hat Zahnschmerzen“ hätte das Thema leicht eine Zahnputz-Predigt werden können. Stattdessen macht Theo sich mit seiner Freundin Dora auf den Weg zum weisen alten Triceratops. Und der gibt den beiden erst mal ein Rätsel auf.

Fehler 4: Reime um jeden Preis

Woran du es merkst: Du stellst Sätze um, damit sich „Haus“ auf „Maus“ reimt. Manche Wörter stehen nur da, weil sie klingen. Und beim Vorlesen stolperst du immer an derselben Stelle.

Reimen ist Handwerk. Es braucht ein sauberes Versmaß, und das ist schwerer, als es aussieht. Ein holpriger Reim fällt beim Vorlesen sofort auf. Bei einer gut erzählten Geschichte ohne Reim vermisst dagegen niemand etwas. Was du stattdessen machst: Schreib die Geschichte zuerst ohne Reim. Wenn sie trägt, kannst du prüfen, ob Reime sie besser machen. Und wenn du reimst, dann lass jemand anderen den Text laut vorlesen. Wo diese Person stockt, stimmt der Rhythmus nicht.

Fehler 5: Der Erwachsenenblick

Woran du es merkst: Der Erzähler zwinkert den Eltern zu. Die Figuren sind niedlich, aber keine echten Charaktere. Und die Probleme wirken aus deiner Sicht klein: „Ist doch nur ein verlorener Handschuh.“

Für ein Kind ist der verlorene Kuschelhase eine Katastrophe. Nimm das ernst. Was du stattdessen machst: Geh auf Augenhöhe. Frag dich bei jeder Szene, was ein Kind hier sieht, hört und fühlt, und was ihm wichtig ist. Humor ist wunderbar, solange Kinder darüber lachen und nicht nur die Erwachsenen. Bei Holla sind das Eichhörnchen, die Gartenzwerge klauen, und eine Fischbrötchen-Mafia am Strand. So etwas finden Kinder komisch, weil es ihre Welt ein Stück verrückter macht.

Nach dem ersten Entwurf: Bilder und Testleser

Fehler 6: Illustrationen beauftragen, bevor ein Verlag Ja gesagt hat

Woran du es merkst: Du hast schon Geld für Bilder ausgegeben, obwohl der Text noch nicht fertig ist. Oder obwohl du noch gar nicht weißt, ob du bei einem Verlag einreichen willst.

Wenn du zum Verlag willst, brauchst du in aller Regel keine eigenen Illustrationen. Verlage suchen die passenden Illustratoren meist selbst aus, damit das Buch zu ihrem Programm passt. Die Experten im Autorenforum raten deshalb klar: im Zweifel ohne Illustrationen einreichen. Gefällt dem Verlag dein Text, aber nicht der Stil deiner Bilder, stehst du sonst schlechter da als mit dem Text allein.

Was du stattdessen machst: Entscheide zuerst, welchen Weg du gehst. Für den Verlag reichst du den Text ein, sauber formatiert, höchstens mit kurzen Bildhinweisen in Klammern, wo das Bild etwas erzählt, das nicht im Text steht. Wenn du selbst veröffentlichen willst, brauchst du Illustrationen natürlich. Aber erst, wenn der Text steht und getestet ist.

Fehler 7: Keine Testleser

Woran du es merkst: Außer dir kennt nur eine Person die Geschichte. Und die hat gesagt: „Schön.“

Kinder sind die strengsten Testleser, die du bekommen kannst. Sie sind nicht höflich. Sie rutschen herum, wenn es langweilig wird, und fragen nach, wenn sie etwas nicht verstehen. Was du stattdessen machst: Lies deine Geschichte Kindern im richtigen Alter vor, am besten welchen, die dich nicht lieben müssen. Kinder aus dem Freundeskreis zum Beispiel oder die Nachbarskinder, natürlich mit Erlaubnis der Eltern. Beobachte mehr, als du fragst. Wo lachen sie? Wo schauen sie weg? „Hat es dir gefallen?“ bringt wenig. „Was war die beste Stelle?“ bringt viel. Dazu ein, zwei erwachsene Leser, die auf Sprache und Logik achten. Wie du nach dem ersten Entwurf weitermachst, habe ich in diesem Artikel aufgeschrieben.

Was du diese Woche tun kannst

Du musst keine sieben Baustellen auf einmal aufmachen. Fang mit drei kleinen Dingen an:

  • Schreib auf eine Karteikarte, für welches Alter und in welcher Form dein Buch erscheinen soll, und dazu einen Satz, was deine Hauptfigur will.
  • Lies deinen Text einmal laut vor, am besten jemandem, der ihn noch nicht kennt. Markier jede Stelle, an der du stolperst.
  • Streich den letzten Absatz und alles, was ein Bild zeigen könnte. Lies dann noch einmal.

Fehler gehören beim ersten Buch dazu. Holla hat viel länger gedauert als geplant, weil ich lange nicht wusste, wie die Geschichte enden soll. Dabei habe ich gelernt, wie wertvoll es sein kann, einen Text auch mal liegen zu lassen. Bei deinem ersten Kinderbuch kannst du dir ein paar dieser Umwege sparen.

Wenn du den ganzen Weg Schritt für Schritt gehen willst, von der Idee bis zum Launch, findest du alles in meiner Kinderbuch-Schatzkiste: zehn Hefte mit Checklisten, Vorlagen und einer geprüften Liste von Verlagen und Agenturen. Und wie so ein Weg am Ende aussehen kann, zeigt dir Theo, der T-Rex, hat Zahnschmerzen.

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