Aufgeschlagenes Notizbuch, Bleistift, Taschenbuch, Sonnenbrille und eine Tasse Kaffee auf einer Terrazzokante vor heller Wand in der Sonne

Schreiben im Urlaub: So bleibst du dran, ohne den Urlaub zu verderben

Der Koffer ist halb gepackt, und ganz oben liegt der Laptop. Diesmal, denkst du, klappt es endlich mit dem Schreiben im Urlaub. Zwei Wochen frei, keine Termine, jeden Morgen zwei Stunden am Manuskript. Und dann sitzt du am See, der Laptop bleibt in der Tasche, und irgendwo zwischen Sonnencreme und schlechtem Gewissen ist der Urlaub nur noch halb so schön.

Endlich Zeit zum Schreiben: Das klingt nach dem perfekten Plan. In der Praxis wird es schnell zu einer weiteren Aufgabe auf einer Liste, die eigentlich Pause haben sollte. Ich arbeite hauptberuflich im Marketing und schreibe in den Lücken dazwischen. Gerade deshalb kenne ich die Versuchung, freie Tage bis zum Rand mit Schreibplänen zu füllen. Hier zeige ich dir, wie du unterwegs dranbleibst, ohne dass das Schreiben dir die Erholung auffrisst.

Erst entscheiden: Pause oder Schreibzeit?

Bevor du packst, stell dir eine einfache Frage: Will ich in diesem Urlaub schreiben, oder will ich Pause machen? Beides ist in Ordnung. Was den Urlaub verdirbt, ist das Dazwischen. Das halbe Vorhaben, das dich jeden Morgen anschaut und das du jeden Abend verschiebst.

Eine bewusste Pause ist kein Scheitern. Bei „Holla, die Waldfee, träumt vom Meer“ habe ich gelernt, wie wertvoll es sein kann, einen Text liegen zu lassen. Er arbeitet im Hintergrund weiter und sucht sich seinen Weg, auch wenn du gerade nicht hinschaust. Die ganze Geschichte dazu steht in meinem Behind the Book.

Wenn du dich für die Pause entscheidest, dann schreib sie dir auf. Zum Beispiel: „Vom 3. bis 17. August arbeite ich nicht am Manuskript. Ich sammle nur.“ Das klingt banal, nimmt dir aber den Druck. Und leg dir vor der Abreise einen Parkzettel an: Schreib ans Ende deines Dokuments drei Sätze darüber, wo du gerade stehst und was als Nächstes passieren soll. Wenn du zurückkommst, liest du diese drei Sätze und bist sofort wieder drin.

Schreiben im Urlaub: Notizbuch statt Laptop

Der Laptop bringt den Schreibtisch mit in den Urlaub. Ladekabel, Passwörter, das Postfach, das nur einen Klick entfernt ist. Und am Strand ist er vor allem eins: ein Gerät, auf das du aufpassen musst.

Ein kleines Notizbuch passt in jede Tasche, braucht keinen Strom und verzeiht Sand, Sonnencreme und Kaffeeflecken. Vor allem lädt es zu etwas anderem ein als der Laptop. Auf dem Bildschirm willst du Kapitel schreiben. Im Notizbuch reichen Bruchstücke: ein Satz, ein Name, eine Beobachtung. Genau das ist im Urlaub richtig.

Dass man dafür keinen Schreibtisch braucht, weiß ich aus eigener Erfahrung. Mit „Holla“ habe ich in der Notiz-App auf meinem Handy angefangen, morgens und meistens auch abends in der U-Bahn, jeden Tag gut 40 bis 50 Minuten. Die App ist also auch im Urlaub eine Möglichkeit. Nur meldet sich auf dem Handy eben ständig jemand anderes. Im Notizbuch bist du mit deinen Gedanken allein. Nimm eins, das du nicht schonen musst. Ein schönes Buch, in das du dich nicht zu kritzeln traust, bleibt leer.

Beobachtungsübungen für unterwegs

Im Urlaub sind deine Sinne wach. Alles ist neu: das Licht, die Geräusche, der Geruch im Treppenhaus der Ferienwohnung. Das ist Rohmaterial, das du zu Hause am Schreibtisch nicht bekommst. Diese kleinen Übungen dauern jeweils nur ein paar Minuten.

Fünf Sinne, fünf Zeilen

Setz dich irgendwohin, ins Café, auf eine Bank, an den Rand eines Marktes. Schreib eine Zeile für das, was du siehst, eine für das, was du hörst, und so weiter für Riechen, Schmecken und Fühlen. Beim Riechen und Fühlen wirst du merken, wie selten du sonst darauf achtest.

Ein Satz vom Nachbartisch

Schreib einen Satz auf, den du zufällig hörst. Nur einen, ohne Namen, ohne Zusammenhang. „Ich hab doch gesagt, wir hätten links abbiegen müssen.“ Aus solchen Sätzen werden später Dialoge, die echt klingen, weil sie echt sind.

Eine Figur erfinden

Such dir eine Person aus, die an dir vorbeigeht, und erfinde ihr eine Geschichte. Wohin ist sie unterwegs? Was ist in ihrer Tasche? Was hofft sie heute noch? Du beschreibst nicht diese Person, du nimmst sie nur als Ausgangspunkt für jemanden, den es noch nicht gibt.

Ein Ort, zwei Tageszeiten

Beschreib denselben Ort einmal am Morgen und einmal am Abend. Den Hafen, den Dorfplatz, den Blick vom Balkon. Du lernst dabei mehr über Atmosphäre als in jedem Ratgeber.

Eine Mini-Routine, die in jeden Urlaubstag passt

Wenn du im Urlaub schreiben willst, dann klein. Zehn bis fünfzehn Minuten reichen völlig. Häng sie an etwas, das sowieso jeden Tag passiert: an den ersten Kaffee, bevor die anderen wach sind, oder an die Stunde auf dem Balkon, wenn es abends kühler wird. Die Regel lautet dann nicht „Ich schreibe jeden Tag“, sondern „Wenn ich meinen ersten Kaffee trinke, liegt das Notizbuch daneben“. Wie so eine kurze Routine auch im Alltag funktioniert, habe ich in meinem Artikel über die 15-Minuten-Schreibroutine beschrieben.

Setz die Latte im Urlaub niedriger als zu Hause. Ein Satz zählt. Als ich nach einer langen Pause wieder ins Schreiben gefunden habe, habe ich genau damit angefangen: jeden Tag ein Satz. Nicht viel, nicht mit Druck. Das hat mehr bewegt als jeder große Plan.

Und wenn ein Tag ausfällt, weil die Wanderung länger war oder der Abend zu schön? Dann fällt er aus. Im Urlaub wird nichts nachgeholt. Sag den Menschen, mit denen du unterwegs bist, am besten gleich am Anfang, was du vorhast: eine Viertelstunde am Morgen, danach bist du ganz da. Das erspart euch Diskussionen, und du musst nicht heimlich schreiben.

Material sammeln für später

Ich sammle Textschnipsel, und zwar viele. In einer Schublade, in Ordnern auf dem Computer, in Notizen auf dem Handy. Der Urlaub ist die beste Zeit, diese Sammlung aufzufüllen, weil dir ständig Dinge begegnen, die du zu Hause nie sehen würdest.

Schreib Namen auf, die dir gefallen: von Straßenschildern, Speisekarten, Booten im Hafen. Notier Farben, Gerüche, Geräusche. Kleb die Eintrittskarte ins Notizbuch und schreib daneben, was an diesem Tag passiert ist. Wenn du ein Foto machst, schreib dazu, warum. Ein Foto zeigt den Ort, die Notiz zeigt, was er mit dir gemacht hat.

Eine schöne Variante ist eine Postkarte an dich selbst, mit dem Moment des Tages, den du nicht vergessen willst. Wie das geht, steht in meinem Artikel über Urlaubspost. Wenn du wieder zu Hause bist, liegt dein Material im Briefkasten.

Und nach dem Urlaub? Nimm dir in der ersten Woche eine halbe Stunde und blättere alles durch. Markier mit einem farbigen Stift, was dich immer noch anspringt, und übertrag es dorthin, wo du deine Ideen sammelst. Sonst verschwindet das Notizbuch im Regal, und mit ihm die Hälfte deiner Einfälle.

Lesen zählt auch

Ich lese, seit ich kann. Und für alle, die schreiben, ist Lesen keine Freizeit, die vom Schreiben abgeht. Es ist Teil der Arbeit, und zwar der schönste. Der Urlaub ist die Zeit, in der du endlich mehr als zehn Seiten am Stück schaffst.

Nimm ein Buch aus deinem Genre mit und eins, das damit gar nichts zu tun hat. Und lies eins davon mit Stift. Unterstreich den Satz, um den du die Autorin beneidest. Schreib an den Rand, warum ein Kapitelende dich weiterblättern lässt. So lernst du, ohne dass es sich nach Lernen anfühlt.

Das andere Buch liest du einfach so. Ohne Stift, ohne Analyse, nur weil es dir gefällt. Auch das füllt den Speicher, aus dem du später schöpfst.

Schreiben im Urlaub muss sich nicht wie Arbeit anfühlen. Ein Notizbuch, ein paar Minuten am Morgen, offene Augen, ein gutes Buch. Mehr brauchst du nicht, um mit vollen Taschen nach Hause zu kommen. Und wenn du am Ende keinen einzigen Satz geschrieben hast, sondern nur geschwommen, gelesen und geschlafen: Auch dann warst du nicht faul. Du hast aufgetankt. Pack also heute das Notizbuch ein und lass den Laptop ruhig zu Hause.

Wenn du nach dem Sommer wieder Anstöße fürs Schreiben brauchst, trag dich unten auf der Seite in meinen Newsletter ein. Und falls der Wiedereinstieg holpert, hilft dir vielleicht mein Artikel über Disziplin beim Schreiben.

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