Auf Instagram sieht Selfpublishing entweder nach Goldgrube aus oder nach Ruin, je nachdem, wem du folgst. Die Wirklichkeit liegt meistens dazwischen. Was kostet es also, ein Buch zu veröffentlichen? Das hängt fast vollständig davon ab, welche Arbeit du selbst machst und welche du einkaufst.
Ich habe meine Bücher im Selbstverlag über epubli veröffentlicht, und ich finde, dass in unserer Branche viel zu verschämt über Geld gesprochen wird. Deshalb bekommst du hier konkrete Zahlen, Stand Juli 2026, am Beispiel eines Romans mit etwa 300 Normseiten. Für Kinderbücher gelten wegen der Illustrationen eigene Rechnungen. Die findest du in meinem Artikel Kinderbuch veröffentlichen 2026.
Buch veröffentlichen: Die Kosten für Plattform und ISBN
Die gute Nachricht zuerst: Das reine Veröffentlichen ist heute fast kostenlos. Bei Amazon KDP und epubli zahlst du nichts. Bei tolino media sind E-Books kostenlos, für ein gedrucktes Buch zahlst du eine einmalige Grundgebühr von 18,90 Euro. Bei BoD kostet das Paket „Publish“ einmalig 39 Euro. Für ein gedrucktes Buch bekommst du bei allen vier eine ISBN dazu.
Eine eigene ISBN brauchst du dafür nicht. Wenn du trotzdem eine willst, kostet sie bei der deutschen ISBN-Agentur 70 Euro plus Mehrwertsteuer, also gut 83 Euro. Dann bist du aber auch selbst dafür zuständig, dein Buch im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) zu melden, über das Buchhandlungen bestellen. Das kostet laut Preisliste des VLB mindestens 69 Euro im Jahr plus Mehrwertsteuer. Für ein erstes Buch lohnt sich das selten.
Und weil gedruckte Bücher bei allen vier Anbietern im Print-on-Demand-Verfahren entstehen, zahlst du keine Druckkosten im Voraus. Gedruckt wird erst, wenn jemand bestellt. Nur deine Probe- und Autorenexemplare bezahlst du selbst.
Teuer ist also nicht das Veröffentlichen. Teuer ist es, das Buch gut zu machen.
Die großen Posten: Lektorat, Cover und Buchsatz
Der größte Posten ist fast immer die Arbeit am Text. Abgerechnet wird meist pro Normseite mit 1.500 Zeichen. BoD bietet zum Beispiel Lektorat für 6,80 Euro und Korrektorat für 3,50 Euro je Normseite an, epubli nennt als Richtwert 4 bis 7 Euro fürs Lektorat und 3 bis 7 Euro fürs Korrektorat. Für einen Roman mit 300 Normseiten heißt das mit den BoD-Preisen: rund 2.040 Euro fürs Lektorat und rund 1.050 Euro fürs Korrektorat. Ja, das ist der Moment, in dem die meisten schlucken. Was genau der Unterschied ist und was dein Buch davon wirklich braucht, erkläre ich in meinem Artikel Lektorat oder Korrektorat.
Der zweite große Posten ist das Cover. Es entscheidet in Daumennagelgröße auf dem Handy, ob jemand auf dein Buch klickt. Für ein individuelles Cover nennt BuchInsider 300 bis 500 Euro als typischen Rahmen, aufwendige Illustrationen kosten mehr. Die Plattformen haben auch günstigere Angebote: Bei BoD kostet ein Cover aus genretypischen Vorlagen 149 Euro, zwei individuelle Entwürfe durch eine Designerin 399 Euro. Hier zu sparen, ist oft die teuerste Form des Sparens.
Der dritte Posten ist der Buchsatz, also das Innenlayout. Den kannst du mit Vorlagen und Satzprogrammen inzwischen ordentlich selbst machen. Ein Profi kostet laut BuchInsider etwa 200 bis 500 Euro. Das lohnt sich vor allem bei Büchern mit Bildern, Tabellen oder besonderer Gestaltung.
Dazu kommen Kleinigkeiten, die sich summieren: Probedrucke, vielleicht Werbegrafiken, eine eigene Website. Letztere ist keine Nebensache. Laut der Selfpublisher-Umfrage 2026 des Selfpublisher-Verbands betreiben 83 Prozent derjenigen, die im Schnitt 2.500 Euro oder mehr im Monat umsetzen, eine eigene Website. Wer langfristig verkaufen will, braucht einen Ort, der ihm gehört und keinem Algorithmus.
Drei realistische Budgets für dein Buch
Aus diesen Posten ergeben sich drei Wege, die alle funktionieren können. Die Zahlen sind Richtwerte für einen Roman mit rund 300 Normseiten:
- Budget „0 Euro“: Testleser statt Lektorat, gründliches Selbstlektorat, Cover und Satz selbst gemacht, Veröffentlichung kostenlos bei epubli oder KDP. Du bezahlst mit Zeit statt mit Geld.
- Budget „rund 1.200 bis 1.500 Euro“: ein professionelles Korrektorat (etwa 1.050 Euro), ein Cover aus einem Vorlagenpaket oder ein günstiges individuelles Cover, Satz selbst gemacht.
- Budget „rund 3.500 bis 4.000 Euro“: Lektorat und Korrektorat (zusammen etwa 3.100 Euro), ein individuelles Cover (etwa 300 bis 500 Euro), Satz selbst oder vom Profi.
Alle drei Wege sind legitim. Wer ohne Budget startet, gleicht das fehlende Geld mit Zeit, Tauschgeschäften und sehr gründlichen Testleserunden aus. Der mittlere Weg ist für viele beim ersten Buch der vernünftigste: Ein sauberes Korrektorat und ein gutes Cover heben dich schon sichtbar ab. Das große Budget lohnt sich vor allem, wenn du das Schreiben ernsthaft als Nebenberuf aufbauen willst oder dein Buch der Anfang einer Reihe ist.
Wovon ich abrate: teure Rundum-sorglos-Pakete, die dir den Bestseller versprechen. Seriöse Dienstleister verkaufen dir einzelne Leistungen wie Lektorat, Cover oder Satz zu transparenten Preisen. Und Verlage, die Geld dafür verlangen, dein Buch zu „verlegen“, sogenannte Druckkostenzuschussverlage, sind fast nie eine gute Idee. Alles, was sie dir anbieten, bekommst du im Selfpublishing günstiger und mit mehr Kontrolle.
Die Kosten, die in keiner Rechnung stehen: Zeit
Selfpublishing heißt, dass du neben dem Schreiben auch Projektmanagerin, Verlegerin und Marketingabteilung bist. Die Plattform einrichten, Klappentext und Metadaten schreiben, Kategorien wählen, Probedrucke prüfen: Rechne dafür ein, zwei konzentrierte Wochenenden. Und für das Marketing danach eine kleine, feste Wochenration, nicht nur im ersten Monat.
Wer das vorher weiß, erlebt es nicht als böse Überraschung, sondern plant es ein. Gerade wenn du wie ich neben einem Hauptberuf schreibst, ist Zeit oft knapper als Geld.
Und was kommt zurück?
Zur Transparenz gehört auch die andere Seite. Beim E-Book liegt dein Anteil bei den großen Plattformen meist um die 70 Prozent, allerdings mit jeweils eigenen Regeln und Berechnungsgrundlagen. Bei KDP gilt das nur in einer bestimmten Preisspanne, und es gehen kleine Lieferkosten ab. Von einem E-Book für 4,99 Euro bleiben dir dort nach Mehrwertsteuer rund drei Euro.
Beim Taschenbuch sieht es magerer aus. epubli rechnet vor, dass dir bei einem Taschenbuch mit 200 Seiten für 12,99 Euro im epubli-Shop 3,14 Euro bleiben und über die Buchhandlung 1,93 Euro. Bei KDP bekommst du seit Juni 2025 für Taschenbücher unter 9,99 Euro nur noch 50 statt 60 Prozent vom Listenpreis, abzüglich der Druckkosten. Ein guter Grund, Preise nicht zu knapp zu kalkulieren. Wie du deinen Preis findest, steht in meinem Artikel Buchpreis kalkulieren.
Heißt konkret: Ein Budget von 1.200 Euro hast du bei rund drei Euro pro E-Book nach etwa 400 verkauften Exemplaren wieder drin. Das ist erreichbar, aber es passiert nicht von allein und selten im ersten Monat. Zur Einordnung: Laut derselben Umfrage setzen rund 78 Prozent der befragten Selfpublisher im Schnitt weniger als 200 Euro brutto im Monat um. Plane Selfpublishing als Marathon, nicht als Sprint, dann stimmen auch die Erwartungen.
Das Geld ist also nicht die größte Hürde. Die größte Hürde ist, es an den richtigen Stellen auszugeben: erst in den Text, dann ins Cover, zuletzt in alles andere. Wer diese Reihenfolge einhält, kann mit jedem der drei Budgets ein Buch veröffentlichen, auf das er stolz ist.
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