Aufgeschlagenes Notizbuch mit Bleistift, leere Karteikarte, kleine Sanduhr und Bienenwachskerze auf einer Terrazzokante vor heller Wand in der Sonne

Dein Schreibjahr im Rückblick: 12 Fragen für den Jahreswechsel

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester sind die Zeit der Listen. Überall wird geplant, was im neuen Jahr anders werden soll: mehr Sport, weniger Handy, endlich das Buch. Bevor du deine Schreibvorsätze für 2026 aufschreibst, lohnt sich ein anderer Blick: der Rückblick auf dein Schreibjahr. Was ist 2025 eigentlich passiert, auf dem Papier und drumherum?

Ich habe dir dafür 12 Fragen zusammengestellt. Sie helfen dir, dein Jahr fair anzuschauen, mitzunehmen, was getragen hat, und daraus einen Plan zu machen, der auch im Februar noch hält.

Warum sich ein Rückblick auf dein Schreibjahr lohnt

Unser Gedächtnis ist beim Schreiben ziemlich ungerecht. An das Manuskript, das seit März in der Schublade liegt, erinnern wir uns sofort. An die dreißig Seiten, die wir im Sommer geschrieben haben, erst, wenn wir nachschauen. Ein Rückblick rückt das Bild gerade. Und er zeigt dir Muster: wann du gut geschrieben hast, was dich rausgebracht hat, was dir geholfen hat. Genau das brauchst du, um für das neue Jahr realistisch zu planen statt wieder mit guten Vorsätzen, die Mitte Januar verpuffen.

Wenn ich auf mein eigenes Jahr schaue, sehe ich zwölf Briefe für mein Briefabo, jeden Monat einen. Ich sehe mein Kinderbuch „Theo, der T-Rex, hat Zahnschmerzen“ und im November meinen Thriller „Das gestohlene Auto“. Und ich sehe viele kleine Texte dazwischen. Aufgeschrieben wirkt das anders als im Kopf, wo sich vor allem das Unfertige meldet.

So gehst du vor: Nimm dir eine Stunde, ein Heft und einen Stift. Leg dir deinen Kalender, deine Notizen-App und die Fotos des Jahres daneben, sie helfen dem Gedächtnis auf die Sprünge. Beantworte die Fragen von Hand. Du musst nicht alle an einem Abend schaffen. Und wenn du in den Rauhnächten schon ein paar Seiten gefüllt hast: Die kannst du hier gut gebrauchen.

12 Fragen für deinen Schreibjahr-Rückblick

Was war

1. Was habe ich dieses Jahr geschrieben? Alles zählt. Kapitel, Kurzgeschichten, Gedichte, Blogartikel, Briefe, Anfänge, die nie weitergingen. Schreib eine Liste, ohne zu bewerten. Du wirst sie später noch brauchen.

2. Auf welchen Text bin ich stolz? Such dir einen aus, oder auch nur eine Szene, einen Satz. Und dann schreib auf, warum. Was ist dir da gelungen? Das ist deine Stärke, und die willst du im neuen Jahr öfter nutzen.

3. Was ist liegen geblieben, und warum? Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Fehlte die Zeit? Die Lust? Hast du dich in der Handlung verlaufen? Oder hattest du Angst vor dem, was passiert, wenn du fertig wirst? Jeder dieser Gründe braucht eine andere Lösung. Zeitmangel löst du mit einem Kalender, eine festgefahrene Handlung eher mit einem Spaziergang und einem Gespräch.

4. Wann habe ich am besten geschrieben? Morgens oder abends? Zu Hause, im Café, unterwegs? In ruhigen Wochen oder gerade dann, wenn viel los war? Schau nach Mustern. Die Antwort sagt dir mehr über deine künftige Schreibzeit als jeder Ratgeber.

Was getragen hat

5. Was hat mir geholfen dranzubleiben? Ein fester Termin, eine Abgabefrist, eine Schreibfreundin, ein bestimmter Stift? Oft sind es Kleinigkeiten. Schreib sie auf, auch wenn sie dir albern vorkommen. Kleinigkeiten kann man wiederholen.

6. Wer hat mich unterstützt? Die Person, die dein Manuskript gelesen hat. Der Partner, der sonntags mit den Kindern rausgegangen ist, damit du schreiben konntest. Die Kollegin, die gefragt hat, wie es mit dem Buch läuft. Vielleicht ist diese Frage ein guter Anlass, dich im Januar bei jemandem zu bedanken.

7. Was habe ich gelernt? Über das Handwerk, zum Beispiel wie du Dialoge schreibst oder wie du eine Szene kürzt. Und über dich als jemand, der schreibt: wie viel du schaffst, was dich blockiert, was dich antreibt.

8. Welches Buch hat mich weitergebracht? Lesen ist Teil des Schreibens. Welcher Roman hat dir gezeigt, wie man eine Figur baut? Welcher Ratgeber hat etwas verändert? Für mich war „Atomic Habits“ so ein Buch, mehr dazu steht in meiner Rezension.

Was geht und was kommt

9. Was lasse ich los? Vielleicht ein Projekt, das dich seit Jahren mehr belastet als freut. Vielleicht eine Regel wie „Ich muss jeden Tag tausend Wörter schreiben“, an der du immer wieder scheiterst. Oder der Vergleich mit anderen, die scheinbar alles schneller schaffen. Loslassen heißt nicht aufgeben. Es heißt, Platz zu machen.

10. Was will ich im neuen Jahr schreiben? Ein Projekt. Nicht fünf. Wenn dir mehrere einfallen, frag dich: Bei welchem wäre ich traurig, wenn es Ende 2026 immer noch nicht angefangen ist? Das ist deins.

11. Wie viel Zeit habe ich realistisch? Schau dafür in deinen Kalender, nicht in deine Wünsche. Job, Familie, Freunde, Schlaf. Was bleibt in einer normalen Woche übrig? Wenn es zwei Stunden sind, dann plane mit zwei Stunden. Wie du neben dem Beruf Zeitfenster findest, habe ich in Schreiben neben dem Hauptberuf beschrieben.

12. Welches Ziel schaffe ich auch in einem schlechten Monat? Das ist die wichtigste Frage von allen. Ein Ziel, das nur funktioniert, wenn alles glattläuft, hält nicht lange. Such dir eins, das auch dann noch geht, wenn du krank bist, der Job dich auffrisst oder im Kopf nur Nebel ist.

Vom Rückblick zum Plan, ohne dich zu überfordern

Aus deinen Antworten machst du jetzt einen Plan für dein neues Schreibjahr. Und der passt auf eine Karteikarte. Wirklich. Wenn er mehr Platz braucht, ist er zu groß.

Oben steht dein eines Projekt aus Frage 10. Darunter deine feste Schreibzeit, abgeleitet aus Frage 4 und Frage 11: nicht „so oft wie möglich“, sondern zum Beispiel „dienstags und donnerstags, 30 Minuten vor der Arbeit“. Dann dein Ziel für die nächsten drei Monate, nicht für das ganze Jahr. Ein Jahr ist zu lang, um es zu überblicken. Drei Monate sind greifbar. „Bis Ende März steht die Rohfassung meines Bilderbuchtextes“ ist ein Ziel, mit dem man arbeiten kann.

Und ganz unten steht dein Mindestziel aus Frage 12. Das, was du auch in der schlechtesten Woche schaffst. Als ich Anfang 2024 nach einer Pause wieder ins Schreiben gefunden habe, habe ich jeden Tag einen Satz geschrieben. Einen einzigen. Klingt nach wenig. Aber damit ist am Ende mein erstes Buch fertig geworden.

Zum Schluss nimmst du deinen Kalender und trägst die ersten Schreibtermine im Januar ein. Jetzt, nicht am 1. Januar. Häng die Karteikarte dorthin, wo du schreibst. Und Ende März schaust du sie wieder an: Was hat funktioniert? Was passt du an? Ein Plan darf sich ändern. Er muss nur da sein.

Ein Jahr ist mehr als seine Lücken

Vielleicht hast du 2025 weniger geschrieben, als du wolltest. Das geht vielen so. Aber du hast geschrieben. Die Liste aus Frage 1 beweist es. Nimm sie mit ins neue Jahr, als Erinnerung daran, dass du jemand bist, der schreibt. Nicht irgendwann, sondern schon jetzt.

Ich wünsche dir einen guten Übergang und ein Schreibjahr 2026, das zu deinem Leben passt. Wenn du im neuen Jahr mehr von mir lesen möchtest, trag dich unten auf der Seite in meinen Newsletter ein.

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