Heute ist der 1. September, und es ist Welttag des Briefeschreibens. Ein Tag, der ein bisschen nach Kalenderspruch klingt, ich weiß. Ich mag ihn trotzdem. Denn er erinnert an etwas, das im Alltag gern untergeht: Ein Brief ist schnell geschrieben. Er fühlt sich nur so an, als wäre er ein großes Projekt.
Deshalb bekommst du heute von mir keinen langen Text über die Geschichte der Post, sondern einen Vorschlag. Schreib heute einen Brief. Einen einzigen, an einen Menschen. Wie das in fünf einfachen Schritten geht, steht weiter unten. Und ganz am Ende verrate ich dir, warum ich mich gerade so auf den Oktober freue.
Woher der Welttag des Briefeschreibens kommt
Den Tag gibt es noch gar nicht so lange. Ins Leben gerufen hat ihn 2014 der Australier Richard Simpkin. Ende der 1990er-Jahre hatte er Menschen, die er für australische Legenden hielt, einfach Briefe geschrieben. Menschen, die er nie getroffen hatte. Viele haben ihm geantwortet, mit der Hand, auf Papier. Aus diesen Antworten wurde später ein Buch und aus seiner Begeisterung dieser Tag. Mehr zur Geschichte findest du zum Beispiel beim National Day Calendar.
Was mir an dieser Geschichte gefällt: Am Anfang stand kein großer Plan. Da hat jemand an einen fremden Menschen geschrieben und abgewartet, ob etwas zurückkommt. So ähnlich ging es mir im Januar 2025 mit meinem allerersten Brief für mein Briefabo. Ich wusste nicht, wie man jemandem schreibt, den man gar nicht kennt. Am Ende habe ich genau darüber geschrieben, und der Brief wurde zu einer kleinen Flaschenpost. Ein freundlicher Gruß nach draußen, ohne zu wissen, wer ihn liest.
Warum gerade heute ein guter Tag für einen Brief ist
Der 1. September ist eine Schwelle. Der Sommer ist noch da, aber abends wird es früher dunkel, und der Alltag rollt langsam wieder an. Genau jetzt hast du etwas zu erzählen. Ein Abend am See, ein Buch, das du im Urlaub nicht weglegen konntest, ein Gewitter, das euch beim Grillen überrascht hat. Im November ist das alles schon weit weg.
Dazu kommt: Ein Brief ohne Anlass überrascht am meisten. Zum Geburtstag rechnet man mit Post, zu Weihnachten auch. Aber ein Umschlag mit Handschrift an einem ganz normalen Donnerstag im September? Der liegt zwischen Werbung und Stromrechnung und macht den Tag ein bisschen heller.
Ich selbst schreibe seit Jahren Postkarten an Freunde. Bei der Post stehe ich wahrscheinlich fast ganz oben auf der Liste derer, die am meisten Briefmarken kaufen. Über mir steht nur meine Mutter. Man lernt eben von den Besten.
In fünf Schritten zu deinem Brief
Du brauchst dafür keine freie Stunde und kein schönes Briefpapier. Eine halbe Stunde heute Abend reicht.
1. Such dir eine Person aus
Nimm die Person, an die du in letzter Zeit öfter gedacht hast, und nicht die, der du schreiben solltest. Die Freundin, die weggezogen ist. Der Onkel, der sich über Post mehr freut, als er zugibt. Dein Patenkind, das gerade lesen lernt. Und wenn dir niemand einfällt: Schreib an jemanden, der dir einmal geholfen hat und nie erfahren hat, wie viel das bedeutet hat.
2. Leg dir alles bereit, auch die Adresse
Papier, Stift, Umschlag, Briefmarke. Und vor allem die Adresse. Das klingt banal, aber genau daran scheitern viele fertige Briefe. Die Adresse fehlt, die Marke fehlt, und dann liegt der Umschlag drei Wochen auf der Kommode. Frag also lieber vorher kurz nach. Ein Standardbrief bis 20 Gramm kostet bei der Deutschen Post 0,95 Euro (Stand September 2026). Zwei Blätter und ein Umschlag bleiben meistens darunter.
3. Fang mitten in einem Moment an
Lass „Wie geht es dir?“ als ersten Satz einfach weg. Schreib lieber, wo du gerade sitzt und was du siehst. „Ich sitze am offenen Fenster, und zum ersten Mal seit Wochen ist die Luft abends kühl.“ So ein Satz nimmt die andere Person mit an deinen Tisch. Mehr Ideen für den Anfang findest du in meinem Artikel Warum wir wieder Briefe schreiben sollten.
4. Erzähl eine Sache und stell eine Frage
Ein Brief ist kein Jahresbericht. Such dir einen Moment aus dem Sommer aus und erzähl ihn mit einem Detail, das man sehen kann: der Sand im Schuh, die Wespe im Pflaumenkuchen, das Licht um halb zehn. Dann dreh dich zur anderen Person um und stell eine Frage, die man gern beantwortet. Keine Pflichtfrage, sondern eine, auf deren Antwort du wirklich neugierig bist.
5. Mach ihn heute noch zu
Unterschreiben, vielleicht noch ein P.S. drunter, Umschlag zu, Marke drauf. Und dann nicht noch einmal lesen und verbessern. Ein Brief muss nicht perfekt sein, er muss ankommen. Leg ihn gleich neben deinen Schlüssel und wirf ihn heute Abend oder morgen früh in den nächsten Briefkasten.
Wenn dir kein Anfang einfällt
Manchmal sitzt man vor dem leeren Blatt und weiß nicht, worüber. Dann hilft ein Anlass, den du dir selbst gibst. Ein paar Ideen für heute:
- ein Dank für etwas, das schon Jahre zurückliegt
- eine Erinnerung an einen gemeinsamen Sommer, mit Ort und Jahreszahl
- ein Rezept, das du diesen Sommer oft gekocht hast, als Beilage
- eine kleine Geschichte für ein Kind, mit ihm als Hauptfigur
- ein Brief an dich selbst, den du erst am nächsten Welttag des Briefeschreibens öffnest
Die letzte Idee mag ich besonders. Schreib auf, was dich gerade beschäftigt, was du dir für den Herbst vornimmst und was du dir selbst gern sagen würdest. Dann kommt der Umschlag in eine Schublade, und in einem Jahr bekommst du Post von dir. Und falls du Lust bekommst, öfter mit jemandem Briefe zu tauschen, findest du in meinem Artikel über Brieffreundschaften ein paar Wege, wie du eine findest.
Und bei mir? Post im Oktober
2025 habe ich jeden Monat einen Brief an die Menschen geschrieben, die mein Briefabo hatten. Im Oktober geht es weiter, unter einem Namen, den du vielleicht schon von meiner Briefesammlung kennst: wolken in der tasse. Der erste Brief hat auch schon einen Titel. Ich verrate nur so viel: Er hat mit dem Nachthimmel zu tun. Alles Weitere erzähle ich dir bald hier im Blog.
Und dann gibt es noch etwas, das mir gerade viel Freude macht: den Geburtstagsbrief. Wenn du jemandem zum Geburtstag eine Freude machen willst, die nicht im Handy landet, schreibe ich dem Geburtstagskind einen Brief. Mit einer kleinen Geschichte, einem Gedicht, einem Fundstück und deinem Gruß, den ich von Hand auf die Karte schreibe. Bestell ihn mindestens zwei Wochen vorher, dann kommt er pünktlich an.
Aber heute geht es erst einmal um deinen Brief. Such dir eine Person aus, leg dir einen Stift bereit und schreib eine Seite. Mehr braucht dieser Tag nicht. Ich bin mir sicher, irgendwo freut sich jemand über einen Umschlag mit deiner Handschrift.
Wenn du selbst wieder Post bekommen möchtest, schau bei meinem Briefabo vorbei. Und wenn bald jemand Geburtstag hat, findest du hier den Geburtstagsbrief.