„Wo soll ich mein Buch veröffentlichen?“ Wer zum ersten Mal selbst veröffentlicht, stellt sich diese Frage früher oder später. Und wer dann Selfpublishing-Anbieter vergleicht, findet Tabellen, die sich gegenseitig widersprechen, weil sich Preise und Bedingungen ständig ändern.
Ich veröffentliche meine Bücher über epubli. Das heißt aber nicht, dass epubli für jedes Buch die richtige Wahl ist. Es gibt keine beste Plattform. Es gibt nur die, die zu deinem Buch und zu deinen Zielen passt. Deshalb schauen wir uns die vier großen Anbieter für den deutschsprachigen Markt nüchtern an: Amazon KDP, BoD, epubli und tolino media. Alle Zahlen sind Stand Mai 2026 und stammen von den Seiten der Anbieter.
Die vier Selfpublishing-Anbieter in Kurzform
Amazon KDP
Kindle Direct Publishing ist der Riese. Die Veröffentlichung ist kostenlos, geht schnell, und du erreichst sofort die Kundschaft von Amazon. Aber eben nur die: Deine Taschenbücher werden fast ausschließlich über Amazon verkauft. In der Buchhandlung um die Ecke kann man sie in der Regel nicht bestellen. Für das gedruckte Buch bekommst du auf Wunsch eine kostenlose ISBN.
Wie schnell sich die Regeln ändern können, hat das letzte Jahr gezeigt. Seit dem 10. Juni 2025 bekommst du für Taschenbücher auf Amazon.de nur noch 50 statt 60 Prozent vom Listenpreis, wenn der Preis unter 9,99 Euro liegt. Davon gehen dann noch die Druckkosten ab.
BoD (Books on Demand)
BoD aus Norderstedt ist einer der ältesten Anbieter im deutschen Selfpublishing. Das Paket „Publish“ kostet laut Preisseite von BoD einmalig 39 Euro inklusive ISBN. Damit ist dein Buch im Buchhandel und in Onlineshops wie Amazon und Thalia bestellbar. Es gibt teurere Pakete mit zusätzlichen Leistungen wie Coverdesign oder Beratung und eine kostenlose Variante, mit der du nur für dich selbst druckst, ohne Vertrieb über den Handel.
epubli
Bei epubli ist die Veröffentlichung kostenlos, eine ISBN und der Eintrag im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) sind dabei. Über das VLB bestellen Buchhandlungen, dein Buch ist also im Buchhandel und bei den großen Onlineshops erhältlich. Du bekommst 70 Prozent vom Nettoerlös, also von dem, was nach Mehrwertsteuer, Druck und Vertrieb übrig bleibt. Eine Mindestlaufzeit gibt es nicht.
tolino media
tolino media ist die Selfpublishing-Plattform der tolino-Allianz, zu der unter anderem Thalia, Hugendubel und Osiander gehören. E-Books veröffentlichst du dort kostenlos. Seit November 2021 kannst du dort auch gedruckte Bücher veröffentlichen. Dafür zahlst du eine einmalige Grundgebühr von 18,90 Euro, in der ISBN und VLB-Eintrag enthalten sind. Die große Stärke: der direkte Draht in die tolino-Shops, dazu verteilt tolino media deine E-Books an viele weitere Händler, auch an Amazon und Apple.
Was bei dir ankommt: E-Book und Taschenbuch
Beim E-Book liegen die Anbieter auf den ersten Blick nah beieinander. Bei KDP bekommst du 70 Prozent, wenn dein E-Book auf Amazon.de zwischen 2,69 und 9,99 Euro kostet. Davon werden noch kleine Lieferkosten abgezogen, die von der Dateigröße abhängen. Außerhalb dieser Spanne sind es 35 Prozent. Bei epubli sind es 70 Prozent vom Nettoerlös. tolino media zahlt bei Preisen zwischen 3,99 und 24,98 Euro in den tolino-Shops 87 Prozent und bei anderen Händlern 70 Prozent, allerdings vom Verkaufserlös nach Abzug von Mehrwertsteuer, Händlerrabatt und Vertriebskosten. Die Prozentzahlen klingen also ähnlich, rechnen aber mit unterschiedlichen Grundlagen. Vergleich deshalb immer den Betrag in Euro, den dir der Preisrechner des Anbieters für dein Buch anzeigt.
Beim Taschenbuch wird es schnell nüchtern. epubli rechnet ein Beispiel vor: Ein Taschenbuch mit 200 Seiten für 12,99 Euro bringt dir im epubli-Shop 3,14 Euro, über die Buchhandlung 1,93 Euro. Bei tolino media sind es für ein vergleichbares Taschenbuch zu 11,99 Euro laut Beispielrechnung 1,68 Euro. Egal wo: Mit gedruckten Büchern aus dem Print-on-Demand wird kaum jemand reich. Je mehr Farbe und je fester der Einband, desto weniger bleibt übrig. Beim E-Book fällt der Druck weg, deshalb ist dort pro Verkauf mehr drin.
Welcher Anbieter passt zu wem?
Wenn du vor allem den Prozess einmal durchlaufen willst und deine Leser ohnehin bei Amazon kaufen, ist KDP der einfachste Einstieg. Kostenlos, schnell freigeschaltet, riesige Reichweite. Wie du dort gefunden wirst, habe ich in meinem Artikel über Amazon KDP Keywords erklärt.
Nur auf Amazon zu setzen, ist allerdings eine Entscheidung mit Risiko. Die Senkung der Taschenbuch-Tantiemen im letzten Jahr hat viele überrascht. Und wer sein E-Book bei KDP Select einträgt, um es in Kindle Unlimited anzubieten, darf es in dieser Zeit nirgendwo anders als E-Book verkaufen.
Wenn dir der Buchhandel wichtig ist, weil du Lesungen machst oder weil dein Buch in der Buchhandlung vor Ort bestellbar sein soll, brauchst du einen Anbieter mit VLB-Eintrag. Das leisten BoD, epubli und tolino media. Gerade bei Kinderbüchern ist das viel wert. Viele Eltern und Großeltern kaufen dort, wo sie beraten werden, und viele Buchhandlungen bestellen ungern bei Amazon.
epubli passt, wenn du ohne Anfangskosten in den Handel willst und dir eine einfache Bedienung wichtig ist. BoD passt, wenn du Unterstützung wie Coverdesign oder Beratung gleich im Paket buchen möchtest. tolino media lohnt sich, wenn deine Leser eher bei Thalia oder Hugendubel einkaufen als bei Amazon, und vor allem für E-Books, weil du dort mit einem Upload viele Shops erreichst.
Für farbige Kinderbücher gelten eigene Rechnungen, weil Farbdruck und Illustrationen die Kosten nach oben treiben. Das habe ich in meinem Artikel Kinderbuch veröffentlichen 2026 aufgeschlüsselt.
Mehrere Anbieter kombinieren
Viele, die schon länger selbst veröffentlichen, nutzen mehr als einen Anbieter. Zum Beispiel das E-Book über KDP und tolino media, das Taschenbuch über KDP für die Amazon-Kundschaft und zusätzlich über einen Anbieter mit VLB-Eintrag für den Buchhandel. Das bedeutet mehr Verwaltung, mehrere Abrechnungen und mehrere Dashboards. Dafür hängst du von keinem einzelnen Anbieter ab.
Ein Detail, das dabei gern übersehen wird: Eine ISBN, die du von einer Plattform bekommst, gehört zu dieser Plattform. Wenn du dieselbe Ausgabe woanders anbieten willst, brauchst du dort eine eigene Nummer. Und lies vor dem Kombinieren die Bedingungen der Anbieter, damit nicht zwei Versionen desselben Taschenbuchs im selben Shop gegeneinander antreten.
Lass dich von der Plattformwahl nicht lähmen. Ob dein Buch gelesen wird, hängt vor allem an deinem Text, deinem Cover und daran, wie du es bekannt machst. Die Plattform ist wichtig, aber sie ist kein Schicksal. Du kannst später wechseln, ergänzen oder umziehen.
Wie es nach der Veröffentlichung weitergeht, liest du in meinem Artikel Buchmarketing für Selfpublisher. Und wenn du solche Vergleiche regelmäßig in dein Postfach bekommen möchtest, trag dich unten auf der Seite in meinen Newsletter ein.